Beitragsreihe zu Ernährungssouveränität II: Ernährungssouveränität und globale Gerechtigkeit

Nicht selten trifft die Klimaschutzbewegung der Vorwurf, man würde das eigene Engagement am falschen Punkt ansetzen. Schließlich gäbe es dringendere globale Probleme wie die Weltwirtschaft, Krieg, Welthunger, Migration oder die kürzlich dieser Liste beigefügte Covid-19 Pandemie. Soziale Bewegungen, die sich für Klimaschutz und Klimagerechtigeit einsetzen, handeln jedoch nicht im Sinne einer isolierten Problemlage. Es handelt sich dabei vor allem um Forderungen der globalen Solidarität und der gerechten Verteilung sozialökologischer Kosten und Nutzen globaler Produktions- und Konsumtrends.

Diese Infografik basiert auf einer Studie von Global2000, 2017 (unter: https://www.global2000.at/publikationen/klimamigration)

Unser Ernähungssystem reproduziert diese globalen Ungerechtigkeiten. Der westliche Ernährungsstil – geprägt von Importware und einem überdruchschnittlich hohen Fleischkonsum – verschlingt einen beachtlichen Großteil der global verfügbaren, landwirtschaftlich nutzbaren Flächen und hinterlässt damit verbundene ökologische Auswirkungen (Bodenerosionen, Verschmutzung der Gewässer, Emissionen, etc.) in Produktionsländern des globalen Südens. So stammen beispielsweise nur 17% des Kalorienbedarfs der Menschheit von Tieren, die Produktion davon bedarf allerdings 77% des global verfügbaren Agrarlandes (vgl. Heinrich-Böll-Stiftung, 2018: S. 10). Dem UNEP (UN-Umweltprogramm) zufolge sind unsere Ernährungssysteme zudem für 60% des Biodoversitätsverlustes verantwortlich, vorne dabei die Fleisch- und Futtermittelproduktion (vgl. ebd.). Dafür ist der Fleischkonsum in Industrieländern verantwortlich: hier konsumieren 20% der Weltbevölkerung 40% der globalen Produktion (vgl ebd. S. 28). Gleichzeitig stehen 820 Millionen hungernde Menschen, 378 Millionen übergewichtigen Kindern, Jugendlichen und 2 Milliarden übergewichtigen Erwachsenen gegenüber (vgl. FAO, IFAD, UNICEF, WFP und WHO, 2019). Unser Ernährungssystem ist demnach ein Schlüsselelement für globale Gerechtigkeit. Die Produktion von Lebensmitteln zieht (entlang ihrer Wertschöpfungskette) massive ökologische Konsequenzen nach sich, die sich überwiegend im globalen Süden vollstrecken. Diese Länder sind stärker von Wüstenbildung, Wasserknappheit und Dürre betroffen und können sich aufgrund schwacher staatlicher Strukturen, Korruption, Armut und Gewaltkonflikten weniger gut gegen Extremwetterereignisse schützen. Bis 2050 könnte es bis zu 200 Millionen Klimaflüchtlinge geben, also MigrantInnen, die aufgrund plötzlicher oder schleichender Veränderungen der Umwelt in ihre Lebensbedingungen so stark negativ betroffen sind, dass sie gezwungenermaßen oder freiwillig ihr Lebensumfeld verlassen (vgl. Global2000, 2015). Wie Ernährungssouveränität und Klimagerechtigkeit des Weiteren in Zusammenhang stehen, zeigt der Videobeitrag.

Dieses Video ist im Auftrag von FIAN Österreich im Rahmen der Nyéléni Tagung für Ernährungssouveränität entstanden.

Kamera, Ton & Schnitt: Valerie Keller

Interview, Recherche & Bericht: Olivia Leth

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